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Dienstag, 26. März 2013

Missstände in der Pflege

Eine Woche ist es nun her als ich eine Reportage über die Pflege in Deutschland gesehen habe und seither frage ich mich, wo ist die Qualität geblieben?

Was mir am meisten aufgestoßen ist, ist das eine ältere Dame nachts um 4 Uhr geweckt wurde und gegen ihren Willen gewaschen wurde mit der Begründung "Die Frühschicht würde es sonst nicht schaffen". Wo sind wir nur hingekommen, haben die Hilfsbedürftigen denn gar keine Rechte mehr?

Ich kann verstehen, das Pflegekräfte mehr Lohn fordern, aber sollte man nicht erst einmal damit beginnen mehr Personal auf die einzelnen Schichten zu verteilen?
Damit meine ich natürlich nicht die "Langzeitarbeitslosen" die mehr oder minder in die Pflege gesteckt werden  auch wenn sie es nicht wollen, da sonst eventuelle Gelder gestrichen werden.

Ich rede von Personal die ihren Beruf mit dem Herzen machen und dafür sorgen können die Qualität in der Pflege zu verbessern und die Quantität besser zu verteilen.

Wer bestimmt den Personalschlüssel? Sollte man nicht mal über eine Änderung im Heimgesetz nachdenken?

Es ist doch kein Wunder das gerade unsere Berufsgruppe Burnouts erleiden, langzeit krank sind oder gar zu Medikamenten greifen, da sie es selbst nicht mehr mit ansehen können wie "Menschen unwürdig" sie manchmal arbeiten müssen weil sie die Zeit nicht haben, ihre Arbeit nach den Bedüfnissen des zu Pflegenden zu erfüllen.

Wer kommt auf die Idee zu bestimmen das man die Pflege auf Minuten begrenzen soll, z.b. 25 minuten zum Duschen?
Geht es nicht eigentlich darum die Fähigkeiten des zu Pflegenden zu forden und aufrecht zu erhalten?
Ich selbst bin ein gesunder und noch relativ junger Mensch und brauche 5 minuten zum Duschen, die älteren unter uns sind eingeschränkt, sei es durch fehlende Balance und dadurch ein höheres Sturzrisiko oder auf Grund von Krankheiten wie Schlaganfälle, Rheuma etc., die dafür sorgen das sie es einfach nicht schneller können. Sollte der Umfang der Hilfeleistung nicht individuell  auf die Klienten abgestimmt sein anstatt alles zu standardisieren?
Die Menschen bezahlen viel Geld für die Pflege, Geld was sie oft gar nicht haben, haben sie da kein Recht eine angemessene Behandlung zu erhalten?
In der Reportage wurde genannt das die Testperson in dem Pflegeheim 4000 Euro IM MONAT zahlen müsste. Was bitte sind das für utopische Zahlen bei durchschnittlichen Renten von 600 - 900 Euro?
Nicht zuletzt, wenn man bedenkt wie wenig unsere Fachkräfte monatlich verdienen.

Als ich noch in Deutschland gearbeitet habe, habe ich mich oft gefragt ob wir die Menschen pflegen bis sie sterben oder ob wir sie pflegen damit sie sterben.

Ich selbst konnte es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren mit anzusehen wie Kollegen "handgreiflich" wurden oder die zu Pflegenden sowohl kommunikativ als auch pflegerisch schlecht behandelt haben, das war einer meiner Gründe nach Dänemark zu gehen.

Natürlich gibt es auch einige Probleme hier, jedoch habe ich bisher keine so negativen Schlagzeilen in den Medien gehört bzw. gesehen.
Hier ist es eher das das Personal oft Gewalt ausgesetzt ist, die von den zu Pflegenden ausgeht, sei es durch treten, schlagen, beissen oder spucken. Ein Thema von dem ich in Deutschland noch nichts in den Medien gehört habe.

Es mag sein das es auf Grund der unterschiedlichen Krankheiten ist die in den jeweiligen Ländern als "Volkskrankheit" beschrieben ist. Während ich in Deutschland mehr Fälle von Schlaganfällen hatte übersteigt hier in Dänemark die Anzahl der an Gicht erkrankten und ebenfalls ganz oben zu finden sind psychische Erkrankungen welche hier sehr häufig durch Drogenabhängigkeit zum Vorschein kommen.

Aber selbst wenn die "Volkskrankheiten" sehr unterschiedlich ausfallen, glaube ich das die Gewalt die von Patienten ausgeht einfach nur "totgeschwiegen" wird, aller Wahrscheinlichkeit nach eben weil es oft auf die jeweiligen Erkrankungen zurück zu führen ist.

Aber was ist mit der psychischen Belastung? Natürlich geht es nicht an unsere Seele spurlos vorbei wenn wir tagtäglich Menschen sehen, die an den Rollstuhl oder gar ans Bett gefesselt sind weil sie so gut wie nur noch körperlich unter uns sind, ihren Körper aber nicht mehr bewegen können und vielleicht geistig gar nicht mehr anwesend sind. Um das ein Arbeitsleben lang ertragen zu können muss mein sein Beruf mit dem Herzen machen, da kann man nicht einfach sagen "Alte Leute gibt es immer, da haben wir einen sicheren Job", nein wenn man es nur des Geldes wegen macht steigt doch erst das Risko der Gewalt von Personal gegenüber Pflegebedürftigen, weil es emotional kaum auszuhalten ist dieses "Elend" mit anzusehen.

Wann wird Deutschland endlich die Augen aufmachen und anstelle von ständig nur alles in den Medien breit zu treten und von Verbesserungen  zu reden auch mal handeln damit es sich verbessert.

Kommentare:

  1. Leider muss ich zugeben, das ich auch in einer Einrichtung arbeite,wo Klienten in der Nacht vom ND geduscht werden, weil der Frühdienst es in einem Wohnbereich mit mehrfach bzw. körperlich behinderte Menschen nicht schafft. Sie betreuen 20 Klienten mit max. 3 Pflegekräfte. Um 6 Uhr fängt der FD an und spätestens bis um 10Uhr müssen alle fertig sein. Nicht nur, dass das körperliche schwere Arbeit ist, leider leidet bei vielen die Psyche mit. Sie verkraften den Stress nicht. (bis zu neun Tage durcharbeiten, immerwieder Krankenvertretung ) In den ersten drei Monaten im diesem Jahr haben vier Pflegekräfte gekündigt, weil sie es nicht schaffen. Und das war nur dieses Jahr!! Sogar Mitarbeiter die schon einige Jahre dort waren, weil es von Jahr zu Jahr schlimmer wird.Viele sind Dauerkrank!!!
    Und was macht die Obrigkeit?? NICHTS!!!!!!!!!
    Man muss um seinen Job Angst haben, da man ja ersetzbar ist.

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  2. Erstmal vielen Dank für deinen Beitrag.
    Ja und das ist ja das schlimmste, das man es, sagen wir mal "hin nimmt" eben weil man ersetzbar ist. Habe gerade einen Beitrag gesehen wo es um den Personalschlüssel geht ( http://seniorenheim-tv.de/interview ) der wie ich lesen kann ja überhaupt nicht stimmt und ich kenne das, habe selbst in Deutschland in einer Einrichtung gearbeitet in der wir das selbe Problem hatten, das habe ich hier Gott sei Dank nicht. Wer sagt das sie um 10 Uhr fertig sein müssen? Wir sind ja keine Maschinen, wir sind auch nur Menschen und müssen arbeiten wie in einer Fabrik. Ich verstehe nicht das an der Probematik nichts geändert wird, ist es doch weit verbreitet das wir ein Personal Problem haben. Das Problem ist auch das immer an den falschen Stellen gespart wird und Steuergelder für andere "unwichtigere" Sachen einfach "verschleudert" werden. Das Gesundheitssystem muss von Grund auf überarbeitet bzw. komplett erneuert werden. Man sollte sich in der Welt umschauen und von einander lernen, in anderen Ländern klappt es doch auch, also warum nicht auch in Deutschland wo es mehr als genug arbeitslose Fachkräfte und Helfer gibt.

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  3. "Als ich noch in Deutschland gearbeitet habe, habe ich mich oft gefragt ob wir die Menschen pflegen bis sie sterben oder ob wir sie pflegen damit sie sterben."

    Dieser Satz von Dir hat mich sehr betroffen gemacht.
    Nicht, weil Du etwas unsinniges geschrieben hättest . . . nein, Du hattest in einem, meine Familie betreffenden, Fall wohl recht.
    - In 3 Jahren war vollbracht, was der Schlaganfall allein nicht erledigte.

    Danke für die dänischen Lichtblicke in deinem Blog!

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  4. Hallo Rentner Anton, danke für deinen Besuch und deinen Beitrag. Würde mich freuen mehr von deinem Fall zu hören, hast mich neugierig gemacht. Ich habe meinen Beruf auch nicht gewählt um so zu arbeiten wie ich es damals empfand, deshalb habe ich gewählt weg zu gehen. Aber Gott sei dank ist es in Deutschland nicht in allen Heimen gleich und es gibt natürlich auch Pflegekräfte die wirklich gut und sehr nett sind.

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  5. Hallo Flying_Angel!

    Mehr als das, was ich schon in meinen Blogs geschrieben habe, kann ich nicht veröffentlichen. Es gibt da so eine Bremse, die man auch "Die Schere im Kopf" nennt.
    Gebe einfach diesen Suchbegriff bei Google ein und Du findest genügend Lesestoff aus dem Umfeld, in dem ich mich bewege (oder schreib mir eine eMail, ich antworte immer):

    "Rentner Anton" Pflege

    Um Deine Worte zu gebrauchen:
    Mein Bruder ist vermutlich "zu Tode gepflegt worden" und letztendlich wohl an einer Aspirationspneumonie gestorben.
    Die Staatsanwaltschaft hat ein Aktenzeichen angelegt, aber ob da dann noch etwas herauskommt, das steht in den Sternen.

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  6. Hallo Anton, vielen dank ich werde es mir gleich mal anschauen. Das was du schreibst klingt schon schlimm genug. Ich hoffe das es zu eurem Guten ausgeht, wenn du mich fragst ist eine "Aspirationspneumonie" ein Pflegefehler. Man kann so etwas auch vorraussehen wenn man sich mit seinen zu Pflegenden beschäftigt aber dafür fehlt es ja leider immer an der Zeit.

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